Donnerstag, 10. Juli 2025
Letzte Änderung: 24. November 2025
Der Quintenzirkel ist ein Modell der Musiktheorie, mit dem die Beziehungen der unterschiedlichen Tonarten zueinander grafisch dargestellt werden. Er erweckt oftmals den Anschein, die Allzweckwaffe der Musiklehrer in der Schule zu sein, doch ist er das wirklich? Beim Komponieren wird er als Universalwerkzeug herangezogen und bei Gitarristen ist er auch nicht wegzudenken. Fakt ist: Der Quintenzirkel ist kein Hexenwerk und wenn man ihn verstanden hat, lässt er sich gut und sinnvoll einsetzen.
Der Ausdruck „Quintenzirkel“ besteht aus zwei Teilen: „Quinte“ und „Zirkel“. Das Wort „Zirkel“ kann auch als Synonym für „Kreis“ verwendet werden. Die „Quinte“ beschreibt ein musikalisches Intervall - also den Abstand zwischen zwei Tönen. Genauer gesagt bezeichnet die Quinte den Abstand zwischen dem ersten und dem fünften Ton einer Tonleiter.
Der Aufbau des QUintenzirkels erinnert an eine analoge Uhr. Wobei anstelle der Uhrzeiten die Tonarten ihren festen Platz auf dem Ziffernblatt haben. Neben den bloßen Namen der Tonarten können diese zusätzlich noch mit den jeweiligen Vorzeichen versehen werden. Die Darstellung des Quintenzirkels ist variabel, es gibt Zirkel mit ausschließlich den Dur-Tonarten, es gibt aber auch welche, die sowohl die Dur- als auch die paralleln Moll-Tonarten abbilden. Um zusätzliche und unnötige Verwirrungen zu Beginn zu vermeiden, ist es ratsam, erstmal nur mit den Dur-Tonarten zu starten. Der Quintenzirkel ist, anders als die analoge Uhr, in zwei Hälften teilbar. So haben wir auf der einen Seite die #-Tonarten und auf der anderen Seite die b-Tonarten.
Wenn man nun die Anordnung der Tonarten genauer betrachtet, erschließt sich der Name "Quintenzirkel" noch einmal mehr. Auf 12 Uhr beginnt der Zirkel mit der C-Dur Tonart. Eine Stunde weiter, auf 1 Uhr, befindet sich dann die G-Dur Tonart. Wieso nun genau die G-Dur Tonart? Naja, von C eine Quinte weiter ist G und et viola, da haben wir die theoretische Begriffsherkunft praktisch belegt. Das Spiel lässt sich nun so weiter spinnen, bis man schlussendlich wieder bei C-Dur ankommt.
Die Reihenfolge der Dur-Tonarten lautet also wie folgt:
Anders, als bei der Uhr, ließt man den Quintenzirkel von beiden Seiten, so ist unser Ausgangspunkt immer die C-Dur Tonart. Links herum kommen dann in chronologischer Reihenfolge mit ansteigender Anzahl der Vorzeichen alle b-Tonarten und rechts herum alle #-Tonarten. Das ganze ist theoretisch betrachtet nun relativ komplex und oft ist es auch recht schwer, sich die Reihenfolge der Tonarten einzuprägen. Um das zu erleichtern, gibt es für beide Richtungen - die b- und die #-Richtung - mehrere gängige Merksprüche, die jeweils mit den Anfangsbuchstaben der Tonarten beginnen.
Hier einmal ein paar Merksprüche als Beispiel:
Das ist nun also der Quintenzirkel mit ausschließlich den Dur-Tonarten. Nun wollen wir noch eine Schippe drauflegen und vervollständigen ihn um die dazugehörigen parallelen Moll-Tonarten.
Nun muss zuerst einmal geklärt werden, wie man denn die parallel Moll-Tonart überhaupt ermittelt, und was genau der Begriff überhaupt bedeutet. Die parallel Moll-Tonart einer jeden Dur-Tonart finden besitzt dieselben Vorzeichen, wie die Dur-Tonart. Wenn wir also C-Dur nehmen - ohne Vorzeichen versteht sich - schauen wir, bei welchem Ton wir landen, wenn wir eine kleine Terz nach unten gehen. Eine kleine Terz unter dem c befindet sich das a. So und das ist generell alles. Also, die parallel Moll-Tonart zu C-Dur ist a-Moll und a-Moll wird ebenfalls ohne Vorzeichen gespielt, logisch, sonst wäre es nicht die parallele Tonart. Der Schlüssel zum Ziel ist also die kleine Terz. Somit ist auch klar, dass jede Dur-Tonart eine parallele Moll-Tonart besitzt. Was nun konkret der Unterschied zwischen Dur und Moll ist, würde in diesem Artikel zu weit gehen, dazu kommen wir dann noch ein andern Mal.
Für die Moll-Tonarten gibt es natürlich auch ein paar Merksätze, diese sind allerdings weniger bekannt, als die der Dur-Tonarten, da sie schlichtweg nicht so oft benötigt werden, da die Umrechnung mit der kleinen Terz deutlich praktikabler ist. Hier dennoch zwei Beispiele:
In den meisten Videos und Erklärungen zum Thema wird die Möglichkeit, die Tonarten zu bestimmen, als das Allzweckmittel angepriesen. Genial, 4 Kreuze (Geh Du Alter Esel), ahh E-Dur. Super und jetzt? Welche Töne ändern sich wie heißt der Ton, der sich zuletzt ändert? Dis? Nie gehört, wo ist der auf dem Klavier, wie wird der auf meinem Instrument gespielt.
Man merkt schon, bringt gar nix. Was nutzt es mir, wenn ich weiß das die Tonart mit 4 Kreuzen E-Dur heißt?
Der Quintenzirkel ist vor allem eins, eine übersichtliche Anordnung der Tonarten sowohl in Dur als auch in Moll, auch die sogenannten Modi lassen sich im Quintenzirkel unterbringen und übersichtlich darstellen. Man kann sich aber gut vorstellen, dass es schwierig wird, die vielen Merksätze dafür auswendig zu lernen und dann auch parat zu haben, wenn sie gebraucht werden.
Anstatt den Kreis der Quinten auswendig zu lernen, sollte man sich lieber mit den jeweiligen Tonarten beschäftigen, und bevor man das macht, sollten die Tonnamen sitzen. Um Musik zu machen, muss man nicht unbedingt Noten lesen können und auch Kenntnisse in der Musiktheorie sind nicht wirklich von Nöten. Was gut klingt ist dann auch richtig, wozu also das ganze?
Das Problem liegt in der geschriebenen Musik, Noten können keine Empfindungen und Gefühle darstellen. Um die bereits vorliegende Musik besser zu verstehen und interpretieren zu können, sind theoretische Kenntnisse sehr hilfreich. Allerdings ist in erster Linie das Lesen der Noten und das Erfassen der Rhythmik die Basis. Es wird auch kein Grundschullehrer seinen Schülern ein Buch geben, wenn diese gerade mal 10 Buchstaben kennen. Außerdem ist das Bilden von Dur, und Moll-Tonleitern viel sinnvoller, als das reine Ablesen in einer Tabelle, denn da erkennt man dann auch, warum eine bestimmte Tonart überhaupt die verwendeten Vorzeichen hat.
Allein das Wissen über den Quintenzirkel und die Informationen, die sich daraus ablesen lassen, nützt einem Musiker zunächst wenig. Um den Quintenzirkel wirklich nutzen zu können, ist ein gewisses Grundlagenwissen erforderlich. Deshalb sollte im Musikunterricht zuerst das Notenlesen, das Verständnis von Vorzeichen sowie das Erfassen rhythmischer Strukturen im Vordergrund stehen. Musikerinnen und Musiker, die sich sicher in den verschiedenen Tonarten bewegen, können dann auch tatsächlich vom Quintenzirkel profitieren - sie erhalten durch ihn eine strukturierte Übersicht über musikalische Zusammenhänge. In allgemeinbildenden Schulen müssen Schülerinnen und Schüler jedoch immer noch vieles auswendig lernen und Intervalle durch das Zählen von Halbtonschritten bestimmen. Solange das so bleibt, wird der Quintenzirkel weiterhin als universelles Hilfsmittel dienen - und die bekannten Merksätze behalten ihre Berechtigung.

