Blasorchesternoten Magazin - Blasorchester Salinia
Informationen zu Johann Schrammel Portrait

Johann Schrammel

Johann Schrammel wurde am Mittwoch, 22. Mai 1850 in Wien geboren. Er starb am Samstag, 17. Juni 1893 in Wien.
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Kurzlebenslauf

  • 1878 - Gründung des Terzetts der Schrammels mit Draskovits
  • 1879 - Anton Strohmeyer als neuer Gitarrist
  • 1884 - Aus Terzett wird Quartett mit Georg Dänzer
  • 1884 - Besuch des Walzer-Königs Johann Strauß
  • 1885 - Mitwirkung an einer Balettproduktion
  • 1886 - Konzert von den Wiener-Philharmonikern
  • 1888 - erste Auslandskonzerte der Schrammels
  • 1889 - nächste Konzertreise Anfang des Jahres
  • 1889 - dritte und letzte Konzertreise im Herbst des Jahres und erste gesundheitliche Probleme Johann Schrammels
  • 1891 - Erste Anzeichen des Zerfalls des Quartettes
  • 1892 - Erster Höhepunkt des Quartetts mit Ziehharmonika
  • 1893 - Tod Johann Schrammel
  • 1895 - Endgültiges Ende der Schrammels durch Tod von Josef Schrammel
  • 1923 wurde im 17. Wiener Gemeindebezirk Hernals die Schrammelgasse nach ihm benannt.

Weitere Informationen zu Johann Schrammel

Wenn man von Johann Schrammel spricht, dann kann man gar nicht anders, als seinen Bruder Josef Schrammel (1852-1895) mitzuerwähnen.  Die Eltern der Schrammels waren beide hauptberufliche Volksmusikanten, so entdeckte der Vater, Kaspar Schrammel, schnell das musikalische Talent seiner beiden Söhne. Dieser schickte die beiden, trotz finanzieller Engpässe an das Wiener Konservatorium, an dem sie Violinunterricht erhielten. Danach trennten sich die Wege der Brüder vorerst und Johann Schrammel war als Musiker im Wiener Salon- und Theaterorchester tätig. 

Das Terzett - "D´Nußdorfer"

Jedoch begannen die Verdientsmöglichkeiten von Orchestermusikern ab 1873 stark zu sinken, so dass sich Johann aus dem Leben eines Orchestermusikers zurückzog. Josef kam der Einfall, ein Terzett zu gründen, welche Idee bei Johann auf fruchtbaren Boden fiel. Fünf Jahre später, also 1878 gründeten die beiden Schrammels zusammen mit dem Gitarristen Draskovits also ein Terzett. Draskovits wurde jedoch 1879 durch den damals besten Gitarristen Anton Strohmeyer (1848-1937) ersetzt. 

Die drei Musiker zogen also unter dem Namen "D`Nußdorfer" hauptsächlich durch den Weinort Nußdorf, daher auch der Name. D`Nußdorfer hatten einen unglaublichen Erfolg, da sie eine Kombination perfekter Spieltechniken mit volkstümlichen Wurzeln und großer Musikalität zeigten. 

Vom Terzett zum Quartett - "Die Schrammeln"

Georg Dänzer, der zu seiner Zeit beste Klarinettist, stieß 1884 auf das Terzett der Schrammels. Er war unbestritten der Meister des "picksüßen Hölzls", hiermit ist die kleine G-Klarinette genannt, die er zu der Zeit spielte. 

Der Erfolg des Quartetts führte sich in Nußdorf fort und sie wurden zunehmend populärer. Am häufigsten traten sie in der Heurigen in Nußdorf auf. Der Zulauf der Konzerte beschränkte sich keineswegs auf nur einen Stand, nein, die Schrammler waren so bekannt, dass sowohl Adelige als auch Hausherren oder Fiaker zu den Auftritten erschienen. Die Orte der Konzerte weiteten sich immer mehr aus und so spielten sie nach und nach auf so ziemlichen allen wichtigen Bällen in der Gegend. 

"Die Schrammeln haben es verstanden, sich den Wienern in das Herz zu geigen, wo sie erscheinen, da ist ihnen auch reichster Beifall gewiß..." (schrieben Kritiker 1884)

Immer mehr Beiträge lobten die Schrammels in Superlativen, es ging so weit, dass im Wiener Extrablatt am 18. August 1886 von Julius von Als geschrieben wurde, [dass die Schrammels mit ihrer Art und Weise des Musizierens veredelnd auf den Geschmack der großen Menge einwirken würden und anderen Musikern, vor allem Sängern, den Anreizgäben, Besseres leisten zu müssen. Das Volksvergnügen habe durch die Schrammelmusik eine bessere und feinere Form angenommen und der Verdienst der Schrammels, so solle man offen sagen, führe dazu, dass der Name des Quartetts seit dem damaligen Punkt in die Geschichte Wiens mit eingehe und von nun an immer genannt werden solle, wenn man von der Wiener Volksmusik spreche.]Ein noch größeres Lob hätte es damals für die Schrammels nicht geben können. Vor allem Johann Schrammel wurde durch seine zahlreichen Kompositionen immer bekannter und wirkte 1885 sogar an einer Balettproduktion des Wiener Hofoperntheaters über die Geschichte des "Wiener Walzers" mit und wurde zur Betreuung eines Musikteils in der neuen Zeitung "Wiener Spezialitäten" herangezogen. 

Weitere musikalische Laufbahn

Ein Besuch des Walzer-Königs Johann Strauß war im Jahr 1884 so ziemlich die bedeutendste Auszeichnung, die die Schrammels hätten kriegen können. Denn Strauß besuchte selten Konzerte und dergleichen, um keine Melodien in seinen Kompositionen zu verwenden. Dieser plante lediglich einen Aufenthalt von einer Stunde bei den Schrammels, da seine Begeisterung jedoch so groß war, blieb er für sechs Stunden und hinterließ ein Schreiben an die vier Musiker. In dem Schreiben drückte Strauß seine große Begeisterung dem Quartett gegenüber aus. Dies erfreute die vier sehr, woraufhin sie ihm ein Bild widmeten. Johann Schrammel komponierte den Walzer "Im Wiener Dialekt" und widmete diesen Strauß aufgrund der besonderen Gegebenheiten. 

Im Dezember 1886 wurden die Schrammels eingeladen, bei dem 100. philharmonischen Konzert vor den Wiener Philharmonikern aufzutreten. Der derzeitige Dirigent, Hans Richter, kündigte die Schrammels bei seinen Musikern groß an. Mit dieser höchsten musikalischen Kritik und der Vollkommenheit ihres Auftrittes. Als Dank für diesen großen Auftritt widmete Johann Schrammel mit einem für die Wiener-Philharmoniker komponierten Marsch "Wiener Künstler" und mit dem "Hans-Richter-Marsch" bedankte er sich bei deren Dirigenten. 

1888 gastierten die Schrammels zum ersten Mal im Ausland (Budapest und Preßburg) und feierten dort ebenfalls große Erfolge. Dadurch angeregt wurde sofort eine zweite Auslandsreise durch Deutschland und die südlichen österreichischen Kronländer Anfang des Jahres 1889 geplant und durchgeführt. Bereits im Herbst 1889 folgte die dritte und letzte Konzertreise durch Deutschland und die damalige Tschechoslowakei, welche leider durch große Probleme gekennzeichnet war. Die Planungen des ersten Konzerts funktionierten nicht und Johann Schrammel litt unter großen gesundheitlichen Problemen.

Zerfall des Quartettes

Im Jahr 1891 erkrankte Georg Dänzer und musste deshalb das Schrammelquartett verlassen. Da kein anderer Klarinettist auffindbar war, wurde er durch den Ziehharmonikaspieler Anton Ernst ersetzt. Doch dieser Ersatz der Klarinette zerstörte das Klangbild des Schrammelquartettes enorm und so konnte der siebenjährige, große Erfolg der Schrammels leider nicht weitergeführt werden. Einige Erfolge konnten jedoch trotzdem noch verzeichnet werden und die Popularität hielt vorerst noch an. 1892 war dann der Höhepunkt des Quartettes mit Ziehharmonika bei der Internationalen Musik- und Theaterausstellung in Wien. Jedoch verließ Anton Strohmeyer kurz drauf das Quartett und Karl Daroka ersetzte diesen. 

Der Gesundheitszustand von Johann Schrammel verschlechterte sich jedoch immer mehr wodurch die schöpferische Kraft der Schrammels stark abnahm. Am 17. Juni 1893 starb Johann Schrammel unter großer Anteilnahme der Öffentlichkeit. 

Sein Bruder Josef Schrammel erhielt das Quartett vorerst mit Knoll als Geiger, jedoch starb Josef zwei Jahre nach seinem Bruder und somit erlisch die Wirkungszeit der Schrammels endgültig. 

Das Kompositionswerk der Schrammels

Das Kompositionswerk der Schrammels, eher das von Johann Schrammel, umfasst um die 250 Märsche, Polkas, Walzer, Tänze und Lieder. 

Schrammel widmete viele seiner Werke Personen. Der Marsch "Wien bleibt Wien" wurde jedoch "den lieben Wienern hochachtungsvoll gewidmet". 

1963 wurden einige Autografe der Schrammel Brüder entdeckt, woraus Prof. Lois Böck folgende Satztechniken herausarbeitete:

  • Die G-Klarinette wurde nicht als eigenständige Stimme notiert, sie diente als Klangregister zur ersten Geige und vollzog die Melodien in extrem hoher Lage (bis c"")
  • die zweite Geige diente als Gegenstimme oder auch Unterstimme, teilweise unterstützend zur Bassfunktion der Kontra-Gitarre
  • Die Kontra-Gitarre legte das Bass-, Harmonie- und Rhythmusfundamen

Weitere Auffälligkeiten waren, dass Schrammel sehr selten mit der Mehrstimmigkeit arbeitete, so wurden Melodien selten im Abstand von Terzen oder Sexten notiert. Durch diese Satztechnik wird ein sehr reizvoller und durchsichtig/transparenter Klang hervorgebracht. So erinnert die Instrumentationstechnik stark an die der Brüder Strauß, auch wenn diese für Orchester komponierten. Denn die Strauß' ließen die Hölzer oft mit der ersten Geige spielen. 

Der einzige Nachteil der Instrumentationstechnik Schrammels war, dass durch die hohe Instrumentation der Klarinette starke Intonationsprobleme auftraten und eine einwandfreie Intonations zwischen der Geige und der Klarinette so von großer Not war, bzw. immer noch ist. 

Wahrung der Schrammelmusik heutzutage

Nach Ausscheiden des Klarinettisten Dänzers, geriet die Schrammelmusik etwas in Vergessenheit. Es gab das "Klassische Wiener Schrammelquartett" unter der Leitung des Schrammelforscher Prof. Lois Böck, welches in den 1960er und 1970er Jahren weiter bestand. Dieses Ensemble belebte die Schrammelmusik 70 Jahre nach dem Tod der Schrammels wieder. Vorher war sie lange Zeit bereits vergessen.
In dem Jahr 1983 wurde das Wiener Thalia-Quartett gegründet welches ebenfalls Originalwerke der Schrammels spielte. 

Generell werden die Werke der Schrammels kaum noch in dem Originalklangstil nach den Originalautografen gespielt. Die Gründe hierfür liegen wahrscheinlich in dem heiklen Tonsatz den Johann Schrammel wählte und darin, dass die Durchsichtigkeit der Musik für viele heutzutage sehr ungewohnt klingen mag. 

Da nahezu alle Autographen der Schrammels veröffentlicht wurden gibt es heute viele Arrangement der Werke für Blasorchester zu erwerben, somit bleibt zumindest ein kleiner Teil, wenn auch nicht in der gleichen Besetzung, der Schrammelmusik erhalten.

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